Dienstag, 7. Februar 2012

Schule und Lernen: Förderschule in Guben aufgelöst

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Schule und Lernen: Förderschule in Guben aufgelöst


Man hat einer Schule die Seele genommen.
Zur Umsiedlung der Allgemeinen Förderschule "Albert Schweitzer" Guben nach Forst
Aus dem Bericht des Bürgermeisters aus Forst zur 17. Stadtverordnetenversammlung am 22.09.2006
Mit der Fertigstellung der Sanierung und Modernisierung der Gebäude der Grundschule Nordstadt am Standort Frankfurter Straße wurde der Standort Pestalozziplatz freigezogen. Mit der Entscheidung des Kreistages am 13.09.2006 ist die langfristige Nachnutzung gesichert. Die Förderschule Guben wird bereits nach den Herbstferien nach Forst umziehen und die Förderschule Forst, die bisher in Groß Schacksdorf untergebracht war, wird ab dem Schuljahr 2007/2008 den Unterricht in Forst aufnehmen.
Bei meinem ersten Besuch in der neuen Einrichtung in Forst wurde mir in wenigen Augenblicken klar, Tränen und bedrücktes Schweigen der Lehrerinnen sagten alles aus:
Mit der „Zwangsumsiedlung" hat man der Schule die Seele genommen. Die Schüler hatten in der Albert- Schweitzer-Schule Guben ein zu Hause. Sie hatten sich wohnlich eingerichtet, die Schulwege waren in der Regel kurz und die Kontaktaufnahme zu den Eltern war immer gegeben.
Nun plötzlich sollen sie in eine fremde Stadt und in ein anderes Gebäude.
Es ist verständlich, dass die Schüler die Stadt und dieses Schulgebäude so schwer annehmen.
Wie soll man Schülern verständlich machen, was selbst Erwachsene nicht verstehen.
Nur aus ökonomischen Zwängen eine gewachsene soziale Struktur zu zerstören, ist unverzeihlich.
Die Forster Schule strahlt eine Kälte aus, die sich auf alle auswirkt.
Breite Steinstufen im sehr hohen Treppenhaus, hohe Wände, unpraktische Pendeltüren in den Fluren, die Toiletten im Keller, eine Mauer um den Schulhof, kein Grün, keine Rückzugsmöglichkeit.
Lehrer und Schüler müssen täglich mit dem Bus nach Forst fahren.
Gerade die schon vielseitig Benachteiligten verlieren wieder ein Stück Sicherheit. Zusätzliche Belastungen verarbeiten sie schwer. In Deutschland klagt man, dass die Schüler immer komplizierter werden und Aggressionen gegen die Schule aufbauen. Wenn man es so macht, dann ist das begreiflich, wenn Schüler in Wut geraten und Fehlreaktionen zeigen. Das kann eine Lehrerschaft einfach nicht kontrollieren. Alle Kolleginnen und Kollegen fühlen sich diesbezüglich überfordert. Das bestätigt, was ich am 13. 12. 2006 in der süddeutschen Zeitung las: 60 Prozent der Lehrer stehen kurz vor dem psychischen und physischen Kollaps. Sie verausgaben sich exzessiv oder haben schon resigniert. Lehrer in Deutschland sehen sich durch ihren Beruf zunehmenden gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt, vor denen sie besser geschützt werden müssen. Dies ist das Fazit einer großangelegten Lehrer-Studie, deren abschließender Teil am Dienstag vorgestellt wurde. Dabei forderten der Deutsche Beamtenbund und die ihm angeschlossenen Lehrerverbände die Schulpolitiker, aber auch die Pädagogen selbst zu mehr Vorsorge und Gesundheitsförderung auf. "Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen weisen Lehrer mit Abstand die problematischste Situation und die größten psychischen Belastungen auf", sagte der Potsdamer Psychologieprofessor Uwe Schaarschmidt, der im Auftrag des Beamtenbundes und der Lehrerverbände seit 2000 mehr als 16.000 Lehrer befragt und ihren Berufsalltag mit dem anderer Professionen verglichen hatte.
Mit Umsetzungsanträgen wird das Schulamt rechnen müssen- und es ist für mich nachvollziehbar.
Ich kann es mir nicht vorstellen, was im nächsten Jahr ablaufen soll, wenn plötzlich Lehrer und Schüler der Forster Förderschule dazustoßen, denn dann muss wieder alles umstrukturiert werden, die Schüler kommen nicht zur Ruhe. Gerade für diese ohnehin benachteiligten Kinder ist Kontinuität und eine stabiles Umfeld zwingend notwendig und Voraussetzung für erfolgreiches Lernen; für die Lehrer sind das wieder zusätzliche Belastungen und neue Probleme.
Klaus- Dieter Voigt
ehemaliger Schulleiter der Allgemeinen Förderschule "Albert Schweitzer" in Guben bis zum Jahr 2000